Anwendung der WKA-Erweiterung

Sinnvoller Einsatz der WKA-Erweiterung an unterschiedlichen Gondeltypen.

Generelles Vorgehen

Für die Planung von Abschaltzeiten müssen alle im Rotorbereich auftretenden Arten, der Zeitraum in dem diese auftreten und die Windgeschwindigkeiten mit Aktivität erfasst werden. Damit diese Aufgabe möglichst gut erfüllt wird, sollte die Erfassung so gestaltet sein, dass die Reichweite der Detektion maximal groß ist. Auch dann werden bei modernen Anlagen mit Rotordurchmessern von über 90m nicht mehr alle anwesenden Tiere sicher erfasst. Um eine ausreichende Rechtssicherheit zu erreichen, sollte daher immer die maximale Reichweite erfasst werden. Ist dies zum Beispiel auf Grund von Störungen durch den Anlagen-Betrieb nicht möglich, muss um so gründlicher und bedachter vorgegangen werden, um ein Monitoring mit ausreichender Datensammlung durchzuführen.

Empfohlene Einstellungen

Bei der Verwendung des batcorders kann die Reichweite bestimmt werden über die Einstellung Threshold. Die größte Empfindlichkeit hat der batcorder bei -36 dB. Um die erhobenen Daten mit den Ergebnissen des BMU Projektes vergleichen zu können, muss ausserdem der Posttrigger auf 200ms gesetzt werden. Bei längeren Posttriggern werden immer dann weniger Aufnahmen ermittelt, wenn die Rufabstände kleiner der gesetzten Posttrigger-Zeit sind. Der Quality Wert des batcorders muss auf 20 und die Critical Frequency auf 16 stehen.

Störungen an WEA Gondeln

Leider laufen nicht alle Anlagen geräuschlos, so dass neben den Fledermausrufen auch mehr oder minder viele Geräusche der Anlage zwangsweise aufgezeichnet werden, wenn nicht riskiert werden soll, dass Fledermäuse überhört werden. Generell sind Anlagen mit Getriebe lauter, aber auch getriebelose Anlagen produzieren Lärm z.B. durch zunehmendes Anlagenalter. Bereits durch den Einbau entfernt von z.B. Lüftern, die häufig stark quietschen, können Störquellen reduziert werden.

Typische Störungen

Im Folgenden eine Übersicht einiger der uns bekannten, typischen Störungen von Anlagen. Viele der Störungen entstehen in Abhängigkeit der Windgeschwindigkeit und können an Anlagen unterschiedlich stark ausfallen.

Typische Störgeräusche an WEA Gondeln

Die Störungen sind natürlich lästig. Sie erzeugen eine große Anzahl Aufnahmen, die zu kontrollieren sind. Ohne eine automatische Analyse der Aufnahmen ist dies dann schnell nicht mehr tragbar. Auch bei der automatischen Analyse der Aufnahmen sollten die Daten manuell kontrolliert werden, um falsche Ergebnisse zu vermeiden und potenziell verdeckte Fledermausrufe zu finden. Jedoch beschränkt sich das dann auf einen kleinen Anteil der Aufnahmen, mit bcAdmin 3 lassen sich zum Beispiel einfach Stichproben wie jede 10. Aufnahme einfach prüfen.

Daneben gibt es jedoch auch immer wieder Anlagen, die zum Beispiel durch Bremsen, wenigstens in der Anfangszeit des Anlagenbetriebs solche Störungen erzeugen, die ein Monitoring nicht zu lassen. Hierbei werden laute, akustische "Pfeifgeräusche" erzeugt, die dann in relevanten Frequenzbereichen liegen. So können zum Beispiel Banden bei ca. 20 kHz aufgezeichnet werden, die dann wie in der folgenden Abbildung gezeigt, Abendseglerrufe mehr oder minder komplett überdecken. Diese schlagrelevante Art kann dann nicht mehr im Monitoring erkannt werden. In solchen Fällen muss entweder die Anlage im Monitoring still stehen oder die Geräuschursache muss beseitigt werden.

Überlagerung von Abendseglerrufen

Störungen vermeiden?!

Sollte kein anderer Einbauort möglich sein und eine sehr große Anzahl Störungen zu einem häufigen Kartenwechsel führen, stellt sich die Frage, wie man die Erfassung optimieren kann, um Störungen zu vermeiden.

Aufzeichnen bei gestoppter Anlage

Die optimale Lösung für die akustische Gondelerfassung ist es, die Anlage während der Erfassung nicht zu betreiben. Denn nur so werden die Laufgeräusche der Anlage auch sicher abgestellt. Auch aus naturschutzfachlicher Sicht ist dies sinnvoll, den so werden Fledermäuse nicht geschlagen, bevor ihre Rufe aufgezeichnet werden können. Insbesondere bei den neuen Anlagen mit deutlich erhöhten Rotordurchmessern von bis zu 130m kann eigentlich nur so eine sinnvolle Erfassung gewährleistet werden. Legt man das Tötungsverbot korrekt aus, ist dieses Vorgehen auch rechtlich die einzig korrekte Lösung. Natürlich werden Anlagenbetreiber hier heftig widersprechen, fällt so doch ein großer Anteil des erzeugten Stroms und damit Gewinns aus.

Reduzierte Empfindlichkeit

Alternativ dazu kann die Empfindlichkeit des Aufzeichnugsgeräts reduziert werden, und so ein Teil der Störaufnahmen ausgeblendet werden. So werden aber auch weniger Fledermauskontakte aufgezeichnet, so dass dieser Schritt sehr gut durchdacht sein muss. Bei einer zu geringen Empfindlichkeit fallen dann manche Arten, die nur über eine geringere Reichweite detektiert werden, fast oder ganz aus. Somit ist dann auch nur noch bedingt ein für den Fledermausschutz sinnvoller Betriebsalgorithmus ermittelbar. Wie sich verschiedene Thresholds des batcorder auf die Erfassungsreichweite auswirken, soll an einem vereinfachten Beispiel grafisch dargestellt werden.

Vergleich der Reichweiten bei unterschiedlichen Threshold-Settings